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Im Jahr 2012 spielte ich zum ersten Mal Dark Souls auf der Xbox 360. Zu der Zeit hatte ich keine PS3 und somit den Vorgänger Demon’s Souls nie gespielt. Als „ultra-hart und kryptisch“ wurde Dark Souls damals oft beschrieben. “Why not?”, hatte ich mir gedacht und das Teil gekauft, welches mir im Rückblick mehr als 100 Stunden Spielspaß bereiten sollte.

Danach war klar: FromSoftware ist auf meiner To-do-Liste. Nach dem Erscheinen von Dark Souls 3 hieß es von Schöpfer Hidetaka Miyazaki, dass dies der Abschluss der Souls-Reihe sei – schade, dachte ich, war doch die finstere, mit Melancholie getränkte Souls-Welt genau mein Ding. Die Zeit verging und nach Sekiro: Shadows Die Twice (2019) dachte ich schon, dass FromSoftware jetzt sich endgültig neuen Themen zuwenden wird. Auf der E3 im Jahr 2019 gab es dann jedoch einen Trailer zum neuen Projekt zu sehen: “Elden Ring“. Der erste Eindruck war imposant und das Wissen um die Kooperation mit „Game of Thrones“-Schöpfer George R. R. Martin verheißungsvoll, aber es war klar, bis zum Releasedatum würde noch einige Geduld erforderlich sein.

2022: Am Beta-Test zu Elden Ring hatte ich nicht teilgenommen und auch fast keine Vorabreviews geschaut, denn der Hype in den Medien war schon fast nicht mehr zu ertragen gewesen und ich rätselte, ob ich etwa Souls-müde geworden war? Der Gedanke, Elden Ring erst mal nicht anzugehen war für einen Moment durchaus präsent und ich sagte zu meiner Frau, „Vielleicht spiele ich Elden Ring erst später“. Sie lachte nur und sagte: „Ja, klar!“ … und tatsächlich starrte ich kurze Zeit später dann doch auf einen Downloadbalken.

Ein seltsames Gefühl überkam mich. Was, wenn ich es jetzt nicht mag – ist Souls dann für mich beendet? Oder schlimmer noch: ganz Fromsoftware ein No-go? Mein Hund schien mich bestärken zu wollen und schaute mich auffordernd an. “Mach schon! Auf geht‘s!“ schien die halbhohe Corgi-Schäferhund-Dame zu sagen.

Und dann war ich auch schon mittendrin. Die Souls-Erfahrung, die ich mitbrachte, gab mir ein gewisses Selbstvertrauen. Steuerung – Check – Hud – Check – Inventory – Check. Mein gewählter Samurai schien sich gerade vom Sekiro-Abenteuer erholt zu haben und nun zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Meine Frau warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm und sagte: „Das sieht ja aus wie Dark Souls!“ Ja, genau, erwiderte ich und dachte mir: Was, wenn es tatsächlich „nur“ ein Dark Souls 4 mit anderem Namen ist? Just more of the same?

Eine Weile später hatte sich jedoch etwas verändert. Die gewohnte lineare Struktur war verschwunden, mein Spektralpferd Torrent und ich waren im grünen Limegrave unterwegs und mein Entdeckerdrang war geweckt. Was ist das da hinten? Los, Torrent! Doch war die offene Welt nicht zu unterschätzen. Ein mächtiger Ritter hatte mich und Torrent zum Rückzug gezwungen und wir sollten uns nicht zum letzten Mal begegnen. Site of Grace hießen jetzt die Savepoints, die aus Dark Souls bekannt waren. Nach einer Weile war hier auch das Aufleveln möglich, aber was sollte ich machen? Normalerweise hatte ich immer Strength- oder Dexterity-Charaktere in Souls Games. Magie? Eher nicht. Die Standardwaffe meines Samurais, das Katana, ließ mich meine Runen in Dexterity investieren und somit war der Weg geebnet.

Ich machte mich daran, den ersten Boss namens Margit zu schlagen. Aber deren verzögerte Angriffe setzten mir ordentlich zu. Miyazaki hatte sich wohl gesagt: Lassen wir die Souls-Veteranen doch mal auflaufen und verändern das Timing der Angriffe. Touché, Miyazaki San! Nach kurzer Gewöhnung und mit Hilfe der neuen Ashes of War (Waffenverstärkungen, welche einen Mana-verbrauchenden Special Move auslösen können) gab sich Margit geschlagen.

Stormveil Castle sollte das nächste Ziel sein, aber vorher war da noch diese Höhle in den Ruinen, die ich markiert hatte. Eine Truhe erwartete mich dort, doch war diese nicht die gewohnte Dark Souls-Truhe und auch kein Mimic wie in den anderen Souls-Spielen. Denn plötzlich umhüllte mich ein Nebel und brachte mich an einen höllischen Ort: Caelid, ein verpesteter Landstrich voller Gegner, die mich in kürzester Zeit vernichten konnten. Mal wieder war Rückzug angesagt. Nach geglückter Flucht fanden Torrent und ich einen Drachen in einem See auf den Weeping Peninsulas. Es folgte ein epischer Kampf, dessen erste Runden an den Drachen gingen, jedoch gelang es mir nach einiger Zeit und mit Hilfe meines Bloody Slash Katanas, das mächtige Schuppenvieh zu schlagen.

Was war ursprünglich noch mal mein Ziel gewesen? Ach ja, Stormveil Castle, der erste „Legacy Dungeon“ und damit klassisch Dark Souls: Verschlungen, mit der einen oder anderen Abkürzung, Geheimnissen und natürlich einem fiesen Boss ausgestattet.

Also doch alles wie früher? Später sollte ich lernen, dass ich in Limegrave lediglich an der Oberfläche gekratzt hatte. Wo ich bei Breath of the Wild kletterte und suchte, sprang ich hier mit meinem Pferd über Klippen und Abgründe, wagte mich in Höhlen. Teilweise war es reiner Zufall, wenn ich etwas Spannendes entdeckte – und genau das ist meiner Meinung nach die Innovation bei Elden Ring. Es ist immer noch ein Souls Game mit der einen oder anderen Verbesserung wie z. B. den Spirit Ashes: Geister, die ihr bei fast jedem Boss oder auch in der Open World rufen könnt, die die verschiedensten Kampftechniken besitzen und dazu noch auflevelbar sind. Der Charme von Elden Ring ist der einer Matroschka – also dem Prinzip, das sich in der großen, bereits eindrucksvollen Welt immer noch weitere kleine Ideen und Überraschungen auftun.

Nur ein kleiner Blick auf die Map, ohne Spoiler natürlich.

Zwischenzeitlich gehörten meine Zweifel, dass die Souls-Formel irgendwie nicht mehr funktionieren könnte, der Vergangenheit an. Bei ca. 50 Stunden Spielzeit warf ich einen Blick ins Internet, um zu erfahren, wie groß die Map eigentlich ist. Und erkannte verwundert, dass ich mir gerade mal den Anfang erspielt hatte. Hier meine Theorie: FromSoftware hat über Jahre den Cut Content aus Dark Souls 1 bis 3, Bloodborne und Sekiro gesammelt, noch mal dran geschraubt und gehämmert und das Ganze in den Mixer geworfen. Heraus kam ein äußerst umfangreiches Game mit vielen Parts, die an die älteren Fromsoft-Spiele erinnern. Ob das negativ gemeint ist? Nein, keineswegs. Entweder sind viele Spielelemente tatsächlich an die älteren Spiele angelehnt oder es ist lediglich ein komischer Zufall.

Nach 80 Stunden im Game fiel mir auf, dass mein Charakter zwar wehrhaft, aber magisch doch recht untalentiert war. Habe ich mich etwa verskillt? Elden Ring ist in der Hinsicht sehr convenient: Ob ihr Magie-Fans seit oder lieber das Berserk Ultra Greatsword schwingt, ist dem Spiel ist ziemlich egal. Die gute Balance macht jeden Spielstil möglich und ihr findet einen Weg. Also auf zum Boss, dachte ich und zum Finale in Lyendell, der Hauptstadt. Wie oben schon beschrieben, lag ich in der Erwartung einer direkten Strecke zur Hauptstadt allerdings einmal mehr falsch, denn Elden Ring enthält etliche geheime Gebiete, die komplett optional sind und schnell übersehen werden. Auf meinem Weg nach Lyendell sollte ich also noch viel entdecken und das ein oder andere hat mich wirklich umgehauen, wie zum Beispiel die unterirdische Stadt Nokron, welche ihr erst nach einem Story Event entdecken könnt und die mit einer fast schon horrorfilmartigen Soundkulisse und einem Fake-Sternenhimmel aus Diamanten aufwartet.

Ist Elden Ring also das Magnum Opus von FromSoftware? Vielleicht ja. Drin steckt auf jeden Fall sehr viel Liebe zum Detail und ein geniales Design. Es ist aber immer noch ein Souls Game mit allem, was dazugehört. Bei dem, der es kann und will, wird gelevelt, geparried und gestorben. Wem die Formel noch nie zugesagt hat und wer eine stetige Narrative braucht, dem könnte das Spiel schwer fallen. Souls Games waren schon immer kryptisch, was das Storytelling angeht und das ist in Elden Ring nicht anders. Aber gebt Acht und lauscht dem einen oder anderen NPC, denn diese geben gerne Infos über versteckte Örtlichkeiten oder Wege preis, die es zu erforschen gilt.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=AKXiKBnzpBQ

Gerade den Souls Games haftet das „Ich bin ein schweres Spiel“-Motto am Revers, doch Elden Ring habe ich tatsächlich als fair empfunden. Kommt man nicht weiter, geht man einfach woanders hin und levelt oder sucht nach hilfreichen Items. Ich war bis zum Ende magielos unterwegs und konnte fast bis zum Schluss mein Katana benutzen, was mir für meinen Spielstil gut gefallen hat. Im NG+ habe ich dann mal umgeskillt und gemerkt, was da noch alles möglich ist. Also, spielt so, wie ihr es wollt.

Technisch hatte ich auf der Xbox Series X keine Probleme. Optisch ist zwar schon die ein oder andere verwaschene Textur zu finden, aber das Gesamtwerk ist sehr malerisch. Musikalisch bietet Elden Ring von orchestralem Bombast über sphärische Chöre eine Menge Stimmung.

Zum Abschluss kommt mir wieder der gleiche Gedanke: Was soll nun noch kommen, Elden Ring 2? Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, dass FromSoftware mit Elden Ring noch einmal alles aus der Formel rausgeholt und damit sozusagen Souls komplettiert hat. Das nächste Projekt kann daher für meinen Geschmack gerne was ganz Neues und Anderes sein – Armored Core zum Beispiel?

Dan
Dan
Ich kenne sämtliche Charaktere aller King of Fighters-Teile und ich kann bis heute die Komplettlösung von Monkey Island aus dem Gedächtnis abrufen.

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